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Januar 2011: Bericht des Wadi Hilwah Informationszentrums

Samstag, 5 Februar, 2011 | 15:34

Silwan, Jerusalem (SILWANIC) –Der erste Monat im Jahr 2011 war gekennzeichnet durch weitere negative Entwicklungen vor dem Hintergrund der politischen Krise um Jerusalem.Es gab mehr Hauszerstörungen, Gewalt, Festnahmen und wiederholt Unterdrückung des palästinensischen Widerstands.Diese Unterdrückung war willkürlich, jedoch keinesfalls wahllos.Besonders häufig richtete sie sich gezielt gegen prominente lokale Aktivisten und deren Familien und dies vor allem besonders häufig in Silwan.

Im Januar 2011 zählte das Wadi Hilwah Informationszentrum 65 Festnahmen, Inhaftierungen und Verhöre in Silwan, 25 Betroffene waren Kinder. Desweiteren wurde eine unbekannte Zahl an Jugendlichen von israelischen Streitkräften auf den Straßen von Silwan kontrolliert. Zwei Häuser wurden im Laufe des Monats abgerissen, dazu kamen ein Hotel, ein Kiosk, zwei Scheunen und ein Brunnen. Um den Brunnen herum, der sechs Familien gehört, sind 40 Dunam (1 Dunam = 1000m²) Land, die ebenfalls geräumt wurden.
Regelmäßige Zusammenstöße zwischen bewaffneten israelischen Truppen, Polizei, Siedlern, Siedlerwachen und Bewohnern Silwans führten zu einer hohen Anzahl an verletzten Palästinensern. Zum Beispiel gab es mehr als 30 Fälle von Verletzung durch Gummi-Geschosse (inkl. zwei Journalisten und drei Kindern unter 13 Jahren) und weitreichende Belastungen durch giftiges Tränengas (hiervon waren mehrere schwangeren Frauen betroffen).

Auseinandersetzungen und Verletzungen

Mehrere Teile Ost-Jerusalems erlebten eine anhaltende Periode von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischem Militär. Besonders in Silwan gab es viele Zusammenstöße. Dementsprechend war dort die höchste Anzahl an Verletzten zu vermelden. Doch auch in den nördlichen Regionen der Stadt, in den Flüchtlingslagern von Anata und Shuafat, sowie im Stadtteil Issawiya kam es zu Konfrontationen. Ein zehnjähriges Kind wurde an der Hand getroffen und erlitt eine tiefe Wunde. Eine Reihe von palästinensischen Grundstücken und das Eigentum darauf wurde während gewaltsamer Militärrazzien beschädigt. In zwei Häusern in Batan al-Hawa gab es Brandschäden durch Gasgranatan die ins Innere geschossen wurden. Ein Minimarkt in Bir Ayyub wurde im Januar bei Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten im Viertel gleich zwei Mal in Mitleidenschaft gezogen.

Festnahmen und Inhaftierungen

Das Wadi Hilwah Informationszentrum registrierte 65 Festnahmen und Inhaftierungen in Silwan, darunter waren 25 Kinder, die von der Polizei verhört und festgehalten wurden – unter dem Vorwand, sie seien an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen oder hätten Steine geworfen.Diese Statistik berücksichtigt nicht die vielen Jugendlichen, die auf den Straßen Silwans von israelischen Polizisten durchsucht oder vernommen wurden. Eine hohe Anzahl von Kindern berichtet von gewalttätigen Übergriffen und Schlägen während ihrer Festnahme. Außerdem stellte es sich heraus, dass es klare Absprachen zwischen israelischer Polizei und Siedlern gibt, die bekanntermaßen palästinensischen Jugendliche während der Auseinandersetzungen fotografieren oder versuchen, Fotobeweise gegen Jugendliche zu sammeln, die auf Kaution frei sind. Diesen Jugendlichen wird vorgeworfen, sich nicht an die Auflagen ihres Hausarrests zu halten.

Aktivisten als Ziel

Der Januar 2011 wurde durch die umfassende Aktionen gegen palästinensische Aktivisten in Jerusalem und vor allem in Silwan geprägt. Auch Familienangehörige von Aktivisten wurden von den israelischen Behörden ins Visier genommen. Das Volkskomitee von Silwan vermutet dahinter eine neue Taktik der Behörden, um mehr Druck auf die Gemeinschaft auszuüben, die palästinensische Identität zu unterdrücken und so das Ziel, mehr jüdische Siedler in Silwan zu haben, zu verfolgen.

Im Januar hielt das Wadi Hilwah Informationszentrum zu diesem Thema eine Pressekonferenz ab, um dieses Thema anzugehen. Das Zentrum bat EU-Diplomaten um Unterstützung und forderte dringlich deren Einflussnahme in Hinsicht auf den Schutz des palästinensischen Rechts auf Versammlungsfreiheit und das Recht des Ausdrucks ihrer Identität in Jerusalem.

Das israelische Militär hat sich auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Mandatszeit berufen, um anzuordnen, dass Adnan Ghaith, der Mitglied im Al-Bustan Volkskomitee und Generalsekretär der Fatah in Silwan ist, für vier Monate aus Jerusalem verbannt wird. Nachdem der Erlass verabschiedet war, durchsuchten israelische Streitkräfte Ghaiths Haus um seinen ältesten Sohn festzunehmen und ihn noch am selben Tag zu den politischen Aktivitäten seines Vaters zu vernehmen.
Der Leiter des Wadi Hilwah Informationszentrums, Jawad Siyam, wurde am 4. Januar verhaftet und zu Hausarrest verurteilt. Während Jawad zurzeit seinen Hausarrest verbüßt, beabsichtigen die israelischen Behörden seinen Neffen zu verklagen. Sheikh Musa Adoueh ist Mitglied des Al-Bustan Volkskomitees und wurde am 26. Januar verhaftet und sitzt muss seinen Hausarrest außerhalb von Silwan, in Jabal al-Moukaber ab. Zwei seiner Söhne sind bereits seit Mai letzten Jahres im Gefängnis. Zuhair Rajabi, ein Aktivist aus Batan al-Hawa, wurde, wie einige seiner Familienmitglieder, die meisten davon Kinder, verhaftet und verhört.

Das Ortsplanungsschema

Montag, 28 Dezember, 2009 | 19:51

Silwan, Jerusalem (SILWANIC)–

Das Ortsplanungsschema 11555 (TPS11555), offenbart die Pläne der Jerusalemer Stadtverwaltung,70% des Landes in Silwan an sich reißen zu wollen und unter die Kontrolle eines Bezirksausschusses zu stellen.

Die Wadi Hilwah Nachbarschaft ist 548.5 Dunam (1 Dunam = 1000m²) groß. Davon sind nach den Plänen nur 18.7% als Wohngebiet vorgesehen, wobei der Platz zwischen den Häusern und die Siedler-Grundstücke bereits eingeschlossen sind.

Das Projekt sieht vor, 8.14% des Landes für Friedhöfe zu nutzen – ein Bereich fast halb so groß wie der für Wohngebäude.

9,6 % sind für den Straßenbau gedacht, 1.7% für öffentliche Gebäude und 2.4% für religiöse Gebäude. Da es bereits eine Moschee und eine Kirche gibt,welche weniger als 2.4% des Platzes belegen, bedeutet dies, dass mindestens eine Synagoge in Planung ist.

Die übrigen Flächen, welche mehr als die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen, sollen zu Gunsten der Jerusalemer Stadtverwaltung, des Bezirksausschusses und der Antiquitäten-Behörde konfisziert werden und sind als Parkplätze, Freiflächen und Korridore für die Nutzung durch Siedlerorganisationen und Touristen vorgesehen.

Wenn der Plan erfolgreich ist, würde er das zu Ende bringen, was die Siedlerorganisation Elad durch ihre Politik noch nicht vollständig erreicht hat: Die Vertreibung der Einwohner Wadi Hilwah’s durch Beschlagnahmung von Land. Ein Vorgehen, welches durch geziehlte, einseitige Bildungsmaßnahmen Zustimmung in der Bevölkerung findet.

Das Hauptanliegen des Projektes ist die Erweiterung der Ausgrabungen und die Umwandlung der Gegend zu einer Touristenattraktion. Dabei nimmt es keine Rücksicht auf die Interessen der palästinensischen Bewohner, welche die Mehrheit der Bevölkerung stellen.

Für die Projektleitung hat die Siedlerorganisation Elad den Architekten Mashe Safdi engagiert. Es heißt, Safdi habe 90.000 Dollar erhalten. Und dies wird von den Anwohnern als Bestechung empfunden.

Das Projekt wurde irreführender weise in der Öffentlichkeit so dargestellt, als würde es die Interessen der ortsansässigen Palästinenser berücksichtigen. Allerdings haben wir (das Wadi Hilwah Informationszentrum) und andere weniger parteiische Organisationen erkannt, dass die Pläne dazu gedacht sind, Silwan in die sogenannte “Davidstadt” umzuwandeln.

Alle Karten des Ortsplannungsschemas 11555 sind hier zu sehen.

Karten des Ortsplanungsschema 11555

Sonntag, 3. Januar, 2010 | 20:52

Silwan, Jerusalem (SILWANIC)

1

Freiflächen 53,4% (sollen beschlagnahmt werden) grün

2

Friedhöfe 8,14% gelb

3

Parkplätze 0.65% (sollen beschlagnahmt werden) violett

4

Wohnfläche 18,7% hellbraun ; Straßen 9,6% (sollen beschlagnahmt werden)

5

Öffentliche Gebäude 0,54% dunkelbraun ; Annmerkungen : soll beschlagnahmt werden

6

Altertümer, Aussichtspunkte, technische Bauten Dreiecke, rote und blaue Punkte

Anmerkung oben : Seilbahn; Anmerkung unten : Fahrradweg

7

Unterführung schwarze Linie

8

Abrissbefehl gelb umrandet

9

Erhaltung violett umrandet

10

Neue Gebäude rot umrandet

111

Zusätzliche Etage orange umrandet

12

Kompletter Plan

13